Stellungnahme der FWG Hattersheim

Über Bauhaus entscheidet die Region

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Ein Baumarkt dieser Größe, da schlägt jedes Heimwerkerherz höher. Und das in Hattersheim, direkt vor der Haustür, da kommt Kritik erst gar nicht auf. Die Vorstellung der Pläne und der Zeitplan begeistern. Selbst die Nachbargemeinde ist eingebunden und hat nichts gegen das Projekt – so will man uns Glauben machen.

Anders die Realität. Im Fachjargon heißt solch ein Vorhaben „Großflächiger Einzelhandel“ und bedarf der Ausweisung eines entsprechenden Sondergebietes durch die Regionalplanung. Bedenkt man, dass das Ansinnen der Politik in Hattersheim das Gebiet als einfaches Gewerbegebiet auszuweisen im letzten Jahr abgelehnt wurde, fragt man sich, worin der Optimismus der Bürgermeisterin und der 1. Stadträtin gründen? Der Abwägungsprozess des förmlichen Verfahrens braucht seine Zeit.

Schauen wir zur Regionalversammlung. Dort haben sich die Mehrheitsverhältnisse gründlich gewandelt. Präsentiert wird dieser Wandel durch Frank Kaufmann, Grüner Feldherr gegen Großflächigen Einzelhandel. Sein Credo: Lebenswerte Siedlungsformen sichern – was nützt INGE, wenn die Großmarktsucht stets neue Triumphe feiert?

(INGE: Gesetz zur Stärkung von innerstädtischen Geschäftsquartieren).

Und Harald Schindler. Seine Abstrafung durch die Hochheimer Bürger verhinderte wohl, dass Hochheim, wie Hattersheim heute, vor dem finanziellen Abgrund steht. Das KGRZ ging unter seinem Aufsichtsratsvorsitz ins finanzielle Fiasko und wurde abgewickelt. Man spricht von 30 Millionen DM, die die angeschlossenen Kreise und Kommunen zahlen mußten – so wurde auch Hattersheim in Millionenhöhe zur Kasse gebeten. Werden sich SPD und Bündnis90/Grüne in der Frage des Großflächigen Einzelhandels einig? Würden sie sich einig und das rasch, wäre das einmal mehr die Aufgabe Grüner Politik zugunsten der Machterhaltung.

Hattersheim braucht das Geld, hat jedoch gleichzeitig die Vorgaben der Regionalplanung ausgereitzt wie kaum eine andere Kommune im Kreis. Die Aufgabe des Wohngebiet Nordost zugunsten des Gebietes in Verlängerung der Heddingheimer Straße bis Mainzer Landstraße geht so in Ordnung. Ob es ein Großflächiger Baumarkt sein kann, bezweifeln wir Freien Wähler in Hattersheim. Wir denken da auch an den Widerstand der vielen Betroffenen Klein- und Mittelständler sowie der benachbarten Kommunen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Kriftel hat uns in der Vergangenheit einige Vorteile gebracht. So kommt das betreffende Plangebiet als Gewerbefläche nur in Frage, weil die Verkehrserschließung durch die Umgestaltung des Autobahnanschlusses gesichert ist. Die Zustimmung hierzu fiel Kriftel nicht leicht, weil für die Verkehrsflächen Krifteler Obstbaumgrundstücke geopfert werden mussten. Ich kann mich noch gut an die gemeinsame Sitzung der Krifteler Gemeindevertreter und der Hattersheimer Stadtverordneten erinnern, auf der wir uns auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt haben. Die erste Stadträtin Schnick entgegnete auf unseren diesbezüglichen Hinweis, dass Kriftel sein Einverständnis signalisiert hat. Dem widersprach nun ihr Amtskollege in Kriftel. Dieses Verhalten ist eine ungeheuerliche Verfehlung Schnicks. Damit nicht genug. Ihr Parteikollege Pohl verstieg sich in der Stadtverordnetenversammlung in der Bemerkung, dass man wohl bei manchem Stadtverordneten den Wohnort überprüfen sollte. Das ist nicht nur übelste Polemik, sondern auch übelste Kirchturmpolitik. Wer so Politik betreibt, braucht auf gute Nachbarschaft nicht mehr zu hoffen und verprellt heimisches Gewerbe. Von Regionalem Bewusstsein haben sich diese Akteure augenscheinlich vollends verabschiedet.

Dabei brauchen wir für die Entwicklung Hattersheims die Region. Dem Rathaus steht nunmal keine hochkarätige Persönlichkeit für eine effektive und nachhaltige Wirtschaftsförderung zur Verfügung. In dem Punkt ist Hilfe innerhalb der Region sicher zu finden, um die Regionalplanung zu überzeugen, dass die Erschließung des Plangebiets ungeheuer wichtig ist für eine Stadt, die unmittelbar an den Flughafen grenzt und die alle negativen Auswirkungen des Flugbetriebs auch unmittelbar zu spüren bekommt. Wenn es gelingt eine Nutzung  zu etablieren, die auch die Region in diesem Bereich weiter bringt, sollten am Ende doch die meisten zufrieden sein.